Geistliche Impulse

„Vielleicht ist es wahr“

Predigt von Pfarrer em. Franz Gerd Stenneken am 28. September 2019 in St. Ewald Rhade

 

Martin Buber hat viele jüdische Geschichten aus der chassidischen  Tradition gesammelt. In einer heißt es: 

Ein Rabbi geht durch den Garten und liest in der Bibel, dabei strahlt sein Gesicht und er murmelt: „Vielleicht ist es wahr!“
Ein  aufgeklärter Nachbar sieht das, schüttelt den Kopf und sagt: „Rabbi, das ist verlorene Zeit. In der gleichen Zeit kannst Du viel Geld verdienen.“ 
Doch der Rabbi antwortet: „Vielleicht ist es wahr!“

 

Wenn es wahr ist, dann lohnt es sich, vom Ende der Zeit her den Anfang zu sehen, von  Tod und Auferstehung das Heute zu betrachten. 
Wer nur im Heute lebt, denkt zuerst an Feste und Feiern, an Geldverdienen, Haus und Hof, an Urlaub und Oktoberfest. Wer den Blickwinkel verändert, sieht mehr. Er sieht als Reicher neben sich den Armen, als Gesunder den Kranken, als Erwachsener die Kinder, als Politiker die Abholzung der Wälder und das Abschmelzen der Gletscher.

Wie oft wird im Gespräch gesagt: „Es ist noch nie ein Mensch zurückgekommen. Wenn mein verstorbener Vater zurückkäme, dann würde ich glauben. Das ist ein gewaltiger Irrtum. Denn ich würde meinem Vater nicht glauben, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. (so sagen es wenigstens der Verstand und die Wissenschaft.)

„Vielleicht es wahr.“

Zwei Aussagen zum Schluss:
Der Theologe Arnold Stadler sagt: „ Das  größte Wunder ist Gott selbst und der Glaube an ihn.“

Der Lyriker Richard Exner schreibt am Tag nach der Geburt seines Enkelkindes: „Du bist und lebst, ich habe dich gesehen. Endlich“!
Für den suchenden und fragenden Exner ist dieses DICH doppeldeutig. 

Es meint damit das Enkelkind aber auch das Christkind.  

 

 

 

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