Hinführung zum Evangelium
Rhade, das ist meine Heimat. Seit ich denken kann, bin ich hier zu Hause. Ich lebe gerne hier in Rhade. Da sind meine Familie, meine Freunde, meine Nachbarn, meine alte Grundschule, der Mühlenteich, mein Sportverein und natürlich auch meine Kirche. Besonders wichtig sind mir natürlich die Menschen, die mein Leben begleiten. Alle die, die mir vertraut sind, aber auch die, die ich in unserer Gemeinde wahrnehme. Da sind zum Beispiel noch meine Grundschullehrer Herr Bielefeld und Herr Zöller, oder im Sonntagsgottesdienst Roswitha Wickler, fast jeden Sonntag 3. Reihe vorne rechts...oder Frau Schneider, bei der ich früher Obst und Gemüse gekauft habe, die trotz ihres hohen Alters immer noch den Gottesdienst besucht... oder die Eheleute Plemper, die seit über 30 Jahren für die eine Welt ihren kleinen Laden öffnen.... Ich könnte jetzt noch so vieles nennen, das mein Gefühl von Rhade ausmacht!
Mitte letzten Jahres wurde dann die gute, alte Urbanus-Kirche „dicht gemacht“. Umbauarbeiten - ABBRUCHSTIMMUNG! Fast zeitgleich ging aber auch mal wieder ein Ruck durch meine Kirche: Der erneut aufkeimende Missbrauchsskandal – Rekordzahlen bei den Kirchenaustritten... Das Gefühl für meine Kirche: Ebenfalls –ABBRUCHSTIMMUNG! Da habe ich mir immer wieder die Frage gestellt: Lohnt sich so eine aufwendige Kirchenrenovierung überhaupt noch? All die Mühe und das viele Geld für eine Sache, die deutlich wahrnehmbar immer weniger Zuspruch findet!
Dann aber ebenfalls Mitte letzten Jahres: Die Priesterweihe von Jan Aleff und die Primiz in unserer Kirche. Ein Fest für die ganze Gemeinde. AUFBRUCHSTIMMUNG! Dann der gute Einfall mit unserem Urbanus: Er musste mal an die frische Luft. Viele sind ihm gefolgt und haben eine gute Gemeinschaft erlebt. AUFBRUCHSTIMMUNG! Dann...endlich... Maria 2.O – Eine Aktion nimmt Fahrt auf. Zeigt: „Mann“ muss Frauen lassen, wir Frauen müssen es aber auch wollen – viel wichtiger aber: Wir müssen es auch tun! AUFBRUCHSTIMMUNG!
Und heute sitzen wir in unserer neu gestalteten Kirche. Die Handwerker haben die Baustelle verlassen, alles piekfein fertiggestellt, sogar der Bischof war da! Jetzt kann es endlich weitergehen! ... Kann es weitergehen? Darf es SO weitergehen? Ich finde nicht! Jetzt gilt es für uns Rhader, die Ärmel hochzukrempeln, denn ich finde, die eigentliche Arbeit fängt erst richtig an. Jetzt heißt es: BETRETEN DER BAUSTELLE ERWÜNSCHT! Jetzt heißt, es diesen schönen neuen Raum mit Leben zu füllen. So weitermachen wie bisher? Einerseits JA, denn der Gottesdienst, die Eucharistiefeier, ist doch Ausdruck und Feier unseres Glaubens. Andererseits aber auch NEIN, denn die alten Formen scheinen oft nicht mehr unsere Sprache zu sein. Viele fühlen sich nicht mehr angesprochen. Wir müssen also nach neuen Ausdrucksformen suchen – uns gemeinsam auf den Weg machen! Eines ist klar: Unsere Seelsorger schaffen diese Arbeit nicht alleine – sie brauchen unsere Hilfe.
Vielleicht ist es ja ganz passend, dass wir gerade heute unsere neuen Kommunion- kinder kennenlernen. Unsere Kinder sind es, die künftig an der Kirche bauen. Im Moment lernen sie noch, dürfen von uns Erwachsenen abschauen, uns nacheifern, aber in ein paar Jahren werden sie die Sache in ihre Hand nehmen müssen. Wir Erwachsenen haben also die wichtige Aufgabe, ihnen gute Vorbilder zu sein. Wir können aber auch von unseren Kindern abschauen, können ebenfalls von ihnen lernen: Sie sind neugierig, sie sind oft mutiger als wir, probieren gerne mal was Neues aus und es macht ihnen auch nicht so viel, wenn sie mal auf die Nase fallen. Es ist also wichtig, dass wir gemeinsam einen Stein auf den nächsten setzen.
Was macht man, wenn man ein Haus bauen will? Womit fängt man an?
Zunächst einmal sucht man sich einen guten Architekten und fragt ihn nach einem Plan. Wir Christen haben da eine gute Adresse! Unser Plan ist bereits geschrieben, wir brauchen nur einen Blick in die Bibel werfen. Unser Architekt sagt: Wenn ihr diese Bauanleitung lest, wenn ihr euch daran haltet, kann nichts schief gehen. Ihr müsst mir nur vertrauen! Im Evangelium hören wir heute von zwei Männern, beide wollen ein Haus bauen. Mal sehen, was passiert:
Vom Haus auf dem Felsen (Matthäus 7, 24-27)
Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der Haus auf Fels baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.
Wenn wir auf das Wort Gottes hören und auf Jesus Christus bauen, sind wir nicht verloren!

