Mit einer Hoffnung gemeinsam auf dem WEG

Predigt von Pfarrer Zahn beim Gottesdienst am 18.07.2021 im Schlosspark Lembeck  - 10 Jahre SSE Dorsten-Nord.

Mit einer Hoffnung gemeinsam auf dem WEG – das war vor genau 10 Jahren das LEITWORT zum Start der Seelsorgeeinheit Dorsten – Nord. Und heute? Sind wir noch mit Hoffnung unterwegs? Oder haben wir sie eingebüßt oder sogar verloren? Wir alle kennen Christen, die sich aus unseren Gemeinden verabschiedet haben. Engagierte! Viele die damals noch treu dabei waren, fehlen heute.  Die negativen Nachrichten über sexuellen Missbrauch und  ihre zögerliche Aufarbeitung in Köln hat viele Mitchristen verärgert und zermürbt. Der synodale Weg, ist ins Stocken geraten. Was dürfen deutsche kath. Christen in der Kirche verändern? Und was ist allein „Rom“ vorbehalten? Wir brauchen Reformen in der Kirche. Und  viele wünschen sie JETZT!

Die Auseinandersetzungen sind oft heftig. Die Wortwahl ist verletzend! Viele stellen ihre weitere Mitgliedschaft in der Kirche unter Bedingungen. Werden sie nicht erfüllt, verlassen sie die Kirche. Endgültig. Mich hat es getroffen, das viele engagierte Frauen, die Maria 2.0 gegründet haben, neulich ausgetreten sind. Ich leide an manche Tagen sehr an der Kirche, ich verstehe den Ärger, die große Ungeduld, die Notwendigkeit des Wandels. Aber wohin führt am Ende der  Frust und die Enttäuschung?  

Forderungen zu stellen ist gut!  Sie als Ultimatum zu formulieren zeigt sich  schwierig! In der Partnerschaft, in der Erziehung, in der Freundschaft, in der Kirche- da ist man bald am Ende. Man geht, sogar mit guten Gefühl, man hatte  es angekündigt! Als Christ weiß ich, es wird immer Versagen in der Kirche geben,  einen Mangel an Liebe, an Glaubwürdigkeit! Ich kann mich jeden Tag daran aufreiben, mich da sogar hineinsteigern. Aber ich weiß auch: Nicht  der Papst ist das Wichtigste in der Kirche, nicht ein Bischof, nicht eine Lehre, eine Behörde im Vatikan oder in Münster. Es menschelt überall. Wir setzen unsere Hoffnung aber nicht auf Menschen, sondern auf JESUS Christus. Er ist der Grund, warum wir glauben. Der Grund warum ich gerne Christ bin. Jesu frohe Botschaft begeistert mich.

„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!  Noch einmal sage ich: Freut euch!“, hörten wir in der Lesung. Schwestern und Brüder! Freude kann man nicht machen. Man kann sie nicht anordnen, aber man kann sie wecken, man kann sie wählen. Wer an den Gott glaubt, der uns in Jesus Christus liebt, rettet, befreit – hat doch Grund zur Freude und Hoffnung, oder nicht!? Wir brauchen Gründe um zu bleiben.

Ich sehe jetzt überall Plakate die zu den Wahlen des Pfarreirates und  Kirchenvorstandes im November einladen. Es wird schwerer neue Kandidat/innen zu gewinnen. Ehrlich gesagt! Falls wir keine Hoffnung mehr haben und keine Freude im Herrn, sollten wir niemanden  ansprechen und ihnen diese Aufgabe und Mitarbeit ersparen. Das wäre fair. Wir dürfen nur Leute gewinnen, wenn wir selbst ganz dahinterstehen.       

Christus unser Licht! Wir sollen „Licht“ sein für die Welt  und „Salz“ für die Erde. Wir sind es, wenn wir trotz aller Schwierigkeiten mit der Kirche, mit Jesus Christus als unsere Hoffnung unterwegs sind. Motiviert, werden wir dann andere motivieren. Sagen wir anderen, was uns bewegt in Kirche und Gemeinde mitzumachen. Was uns Freude macht! Was uns geschenkt wird…So wie es auf den Plakaten zu lesen ist:  

Weil es unsere Kirche ist. Weil es ohne uns nicht geht. Weil uns die Kirche nicht egal ist. Weil wir eben gemeinsam Kirche sind, als Getaufte. Ich finde die Worte über die Freude hilfreich. Damit möchte ich die Schwierigkeiten, Sorgen und Fragen nicht verdrängen, die graue Kirchenwand -  in Rosa überpinseln. Nicht so tun, als ob nichts wäre! Wir brauchen die frohe Botschaft dringend für uns selbst. Sonst sind wir „Tranfunzel“, und  abgeschmackt,  aber nicht Licht und Salz. Aber genau dass sollen wir sein, als Christinnen und Christen. Das wünsche ich jedem und jeder von uns. AMEN!    

Pfingstmontag Diakon Lohrengel: Der Glaube ist Geschenk des Hl. Geistes

Liebe Christen,

manchmal kommt es anders als man denkt! Darüber berichtet die heutige Episode aus der Apostelgeschichte. Diese schließt sich unmittelbar an die Steinigung des Stephanus an. Dessen Geschichte wird immer am 2. Weihnachtstag vorgetragen. Saulus war noch nicht durch Christus selbst als Apostel berufen worden, sondern noch ein unerbittlicher Verfolger der jungen Kirche. Deren Mitglieder flohen in Scharen aus Jerusalem in andere Teile Palästinas. Einige gelangten auch nach Samarien, wo sich kein anständiger Jude damals aufzuhalten pflegte, und verkündeten dort die christliche Botschaft. Die Samariter waren nach deren Ansicht vom rechten Glauben abgefallen. Dass Jesus in seinem berühmten Gleichnis den Barmherzigen ausgerechnet aus Samarien kommen ließ, war schon eine Provokation der Schriftgelehrten. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist die Diskussion Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen in Samarien. Die ist selbst erstaunt darüber, dass Jesus sich mit so einer wie ihr überhaupt abgibt. Ausgerechnet hier und nicht nur in Judäa oder Galiläa, den Kernländern der echten Juden, fällt das Wort Gottes auf fruchtbaren Boden.Dass hatten die Apostel bestimmt nicht so geplant.Aber sie akzeptieren dieses Wirken des Heiligen Geistes, taufen die Leute in Samaria und schicken sogar ihre Anführer Petrus und Johannes los, um sie zu firmen.

Im heutigen Evangelium macht Jesus deutlich, dass ohne das Wirken des Heiligen Geistes überhaupt kein Glaube möglich ist.„Ich preise dich, Vater, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.“ betet Jesus.Nicht Wissen und Erfahrung sind gefragt, sondern die Annahme der Offenbarung durch den Heiligen Geist. Die Kirche ist anfangs kein Kreis von Intellektuellen gewesen.Sie war eine Gemeinschaft kleiner Leute, Berufsfischer zum Beispiel. Bei den „Unmündigen“, die Jesus meint, handelt es sich aber nicht um Dummköpfe und Ungebildete, sondern es geht um eine geistige Armut, um das Wissen der eigenen Bedürftigkeit an Erkenntnis. Jesus preist diese Kleinen, ganz egal, ob studiert oder nicht. Es geht um eine innere Haltung, die Voraussetzung ist für den Empfang der göttlichen Offenbarung, Das Geschenk des Glaubens können wir uns nicht durch noch so große Klugheit erwerben. Es will mit leeren Händen empfangen werden. Glaube ist Gnade. Saulus hat diese Gnade dann ja doch noch erfahren, nachdem sein Versuch, die junge Kirche auszulöschen, so grandios gescheitert war und eher das Gegenteil bewirkt hatte. Seine ganze Bildung hatte dem Paulus nichts genutzt. Er war mit Blindheit geschlagen, bevor er zum Glauben gekommen ist.

Noch heute hat der Heilige Geist, dessen Fest wir in diesen Tagen feiern, hier sein großes Betätigungsfeld. Wir brauchen keine Theologie-Professoren, die alles haarklein aus den Schriften ableiten und theologische Dispute bestehen können. Wir brauchen eher Menschen, die mit ihrem Charisma und ihrem persönlichen Vorbild uns in Verbindung mit dem Heiligen Geist bringen können. Der Heilige Geist ist ja eigentlich ständig um uns. Aber manchmal bedarf es für uns eines Anstoßes und Geistesblitzes, um ihn auch erkennen zu können und auf uns wirken zu lassen. Ich selbst mach da die Erfahrung, dass solche Anstöße und Erkenntnisblitze eher im Gebet, beim Gottesdienst, im Meditieren der Schrift oder im persönlichen Glaubensgespräch kommen, als bei intellektuellen theologischen Diskussionen. Theologen erreichen vielleicht meinen Kopf, aber das ist zu wenig. Mein Herz muss angesprochen werden. Vorbild ist für mich da Maria, die Mutter der Kirche, deren Gedenktag wir heute feiern.Als der Engel Gabriel ihr die Botschaft brachte, fragte ihr Verstand zwar: „Wie soll das geschehen, wo ich doch keinen Mann erkenne?“ Damit war die Diskussion dann aber auch zu Ende. Ihr Herz antwortete dann im Glauben: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Worte.“

Wenn mein Herz angesprochen wird, muss ich meinen Kopf nicht ausschalten. Ganz im Gegenteil. Mein Herz drängt mich zum Glauben und zum Handeln aus dem Glauben.Da kann man seinen Verstand gut gebrauchen, denn ich will ja eine gewünschte Wirkung erzielen. An meinen Verstand sind aber auch viele Anfragen gerichtet, die mich am Glauben zweifeln lassen. Solche Fragen werden heute noch mehr und öfter gestellt als früher.Wie passen Machtanspruch der Kirche und ihr Auftrag, den Menschen zu dienen zueinander? Ist die Kirche noch glaubwürdig, wenn sie Frauen in die zweite Reihe stellt und eine Sexualmoral predigt, die fern von der heute gelebten Wirklichkeit ist? Aber auch einige seit Jahrhunderten immer wieder neu gestellten Fragen harren einer Antwort: Wie kann ein guter Gott Not und Leid in dieser Welt zulassen? Warum gibt es böse Menschen, denen es anscheinend gut und gute Menschen, denen es anscheinend schlecht geht? Warum greift Gott in seiner Welt nicht durch und warum müssen wir solange auf die Wiederkunft des Herrn warten? Warum müssen wir erst sterben, um zum ewigen Leben zu gelangen? Auf solche Fragen gibt es keine allgemeingültigen und für immer geltenden Antworten. Sie müssen für jeden einzeln und immer wieder neu im Glauben beantwortet werden.

Auch wenn wir noch so gebildet sind, werden uns diese Antworten aber letztlich nur im Glauben durch den Heiligen Geist geschenkt. Deshalb ist ein Glaube, an dem ich mein Leben ausrichten kann, der mir Sicherheit im Leben und über den Tod hinaus gibt, ein Geschenk, um das ich bitten und mich bemühen kann, aber keines, das ich mir selbst allein intellektuell erarbeiten kann. Glaube ohne Gemeinschaft der Gläubigen, in der der Heilige Geist wirkt, auch unter dem Namen Kirche bekannt, hat keinen Bestand und schon gar keine Zukunft.

Trotz aller offenen Fragen, können wir wie die Leute aus Samarien vor 2000 Jahren, von Glück sprechen, dass wir die frohe Botschaft verkündet bekommen haben. Wir können froh und dankbar sein, wenn wir mit anderen unseren Glauben leben und hinterfragen können. Aber wir verlassen alle guten Geister, wenn wir aus dieser Kirche austreten, anstatt weiterhin Unstimmigkeiten und Widersprüche auszuhalten und mit anderen nach Antworten zu suchen. Amen.

Taufe des Herrn

Liebe Gemeinde,

ein stilles Weihnachtsfest und ein ruhiger Jahreswechsel liegen hinter uns. Mit dem Fest der Taufe Jesu geht liturgisch der Weihnachtsfestkreis zu Ende und das Kirchenjahr nimmt seinen Lauf. Was aber reicht von Weihnachten hinein in unseren Alltag? Anders gefragt: Was bleibt von Weihnachten? An Weihnachten ist uns allen ein Zusage gegeben worden und hat Hand und Fuß bekommen. Gottes Sohn ist Mensch geworden, der Immanuel, der Gott mit uns. Er reiht sich ein in unsere Gemeinschaft. Er ist der geliebte Sohn Gottes, an dem er Gefallen gefunden hat, wie es in der Schrift heißt. Aus dieser Zusage lebt und wirkt Jesus. Und auch wir sind Gottes geliebte Kinder, auch uns spricht Gott in der Taufe dieses Wort zu. So sind auch wir eingeladen, aus diesem Vertrauen zu leben und unser Leben zu gestalten.

Normalerweise wird an diesem Fest in den Kirchen von den Gläubigen das Taufversprechen erneuert. Daran werden wir in normalen Zeiten auch immer schon beim Betreten einer Kirche erinnert, wenn wir einen Finger an den Eingangstüren ins Weihwasserbecken tauchen und uns mit dem geweihten Wasser bekreuzigen. Momentan sind seit vielen Monaten wegen der Pandemie und der damit verbundenen strengen Hygieneregeln die Weihwasserbecken leer und die kleine Tauferinnerung an der Kirchentüre muss entfallen. Aber unsere Tauferinnerung und Tauferneuerung muss letztlich draußen, vor der Kirchentüre, in unserem Alltag – wahr und in die Tat umgesetzt werden. Im Alltag soll zählen und sich zeigen, dass ich zu Christus gehöre. Durch das, was wir leben, bahnen wir auch anderen einen Weg zu Gott.

Lasset uns beten:

Gott, wir kommen in diesen immer noch weihnachtlich geschmückten Raum. Wir stehen staunend und bewundernd vor der Krippe und werden uns bewusst: Dein menschgewordener Sohn ist unser Retter und Erlöser, er ist der Immanuel, der Gott mit uns, der alle unsere Weg mit uns geht. An diesem Sonntag denken wir an seine Taufe durch den Täufer Johannes im Jordan. Öffne deinen Himmel auch über uns und lass die Kraft deines Geistes in uns und durch uns in unserem Leben wirksam werden.

Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und wirkt heute, alle Tage und in alle Ewigkeit.

Amen!

Predigt von Pfarrer Jürgen Zahn zum 4. Sonntag der Osterzeit 2021

Eher selten wird über unsere menschliche Sexualität gesprochen. Über Homosexualität schon gar nicht. Es sind Tabuthema. Und als Priester habe ich bisher kaum in einem Gottesdienst darüber gepredigt! Vor allem, weil es mir peinlich ist! Nicht mir persönlich, zu Hause wurde über offen geredet. Peinlich ist mir, was unsere kath. Kirche über Sexualität lehrt. Viele Aussagen passen nicht mehr in die Zeit und zum Leben der Menschen. Die erhellenden Erkenntnisse der Medizin, Psychologie und Pädagogik werden ignoriert oder einfach völlig anders interpretiert.

Wenn Kirche sich der Wirklichkeit verweigert, wird sie nicht verstanden. Sie erscheint ängstlich, weltfremd und veraltet. Die größte Negativleistung der Kirche besteht darin, dass sie Sexualität zu einem Problem gemacht hat – sagte Prof. Karl-Heinz Schmidt in einem Vortrag.

Der Vatikan ließ verlauten, dass Kirche keine Vollmacht hat, homosexuelle Paare zu segnen, weil Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. So entspreche Homosexualität nicht dem Schöpfungsplan Gottes. Die Kirche lehrt: Nur die Ehe ist Segen und ein Sakrament, und damit ein Zeichen der Liebe Gottes. Sexualität hat ihrer Weisung ihren Platz einzig und allein innerhalb der Ehe, von Mann und Frau!

Heute denken wir weiter: Es geht nicht um ein „Entweder Ehe zwischen Mann und Frau oder nichts“. Sondern sowohl die Ehe zwischen Mann und Frau als auch die Segnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen.

Man darf nicht sagen: Wir wenden uns dir zu, begleiten dich seelsorglich, aber deine Beziehung ist Sünde. Wir akzeptieren Dich als Person, aber nicht deine Lebensweise. So wird eine Trennung gezogen, zwischen dem, was zur Identität eines Menschen ganz wesentlich gehört. Es wirkt herablassend! Man darf die Beziehung ja nicht von der Person trennen. In diesem Punkt hängt der Segen schief in der Kirche.

Tatsächlich begleiten Seelsorgern seit Jahren homosexuelle Menschen und begegnen ihnen im Geist der Liebe und Freiheit. Seelsorge hilft zum Leben, wenn sie sich an Jesus den „Guten Hirten“ orientiert. Jesus sagt: „Ich kenne die Meinen“. Er liebt alle Schafe gleich: Stille und Laute, Kleine und Große, Schwarze und Weiße, die Muttertiere, die Böcke und die Lämmer. Er hat für alle sein LEBEN gegeben. Salopp gesagt: FÜR die große Mehrheit der Heterosexuellen, genauso wie für die kleine Schar der schwulen und lesbischen Schafe.

JESUS bejaht seine Herde in ihrer Vielfalt und Buntheit. Was unser Leben prägt und ausmacht sind tragende und liebende Beziehungen. Gott liebt Menschen ohne Bedingungen. Einfach weil alle Kinder aus seiner Liebe sind. Er nimmt uns an, auch mit unserer Lebensgeschichte. Als Kirche sollen wir alles tun, damit menschliche Beziehungen gelingen. Die Kirche muss die Weite, Güte und Liebe des Hirten Jesus leben. Wie wollen wir seine Botschaft überbringen.

Zum ersten Mal stellte sich mir die Frage in meiner Zeit, im Ahauser Krankenhaus. Ein junger Mann, 17 Jahre, lag auf der Intensivstation. Er hatte versucht sich das Leben nehmen und wurde Gott sei Dank gerettet. Ich habe ihn ermutigt, zu sich selbst zu stehen und den Weg zu gehen, den er für sich als richtig erkennt. Stehe zu Dir und bekenne Dich. Du bist von Gott geliebt! Dann habe ich ihn gesegnet.

Es war richtig! Und ich würde es wieder tun. Wenn Menschen einander lieben und sich ein Leben lang treu sein wollen, ist Gott längst mit seinem Segen am Werk. Heute reagieren Eltern viel gelassener, wenn ein Sohn oder die Tochter in einer homosexuellen Beziehung lebt. Wir helfen den Eltern, wenn wir ihnen den Rücken stärken und nicht in den Rücken fallen.  

Natürlich ist es ist nicht so, dass plötzlich alle Geistlichen ihr Herz für ein homosexuelles Miteinander entdeckt hätten. Mit der Regenbogenfahne vor der Kirche möchten wir als Gemeinden ein Zeichen setzen und Farbe bekennen.

In vielen Bereichen ist die Kluft zwischen LEHRE der Kirche und gelebten LEBEN immens. Wir brauchen neue Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Offenheit und Weite. Und darum geht es auf dem Synodalen Weg mit seinen Themen. Darüber ist zu reden. Nicht immer! Aber immer wieder einmal. Amen.

Die Gottesdienste zum Jahreswechsel in St. Urbanus sind ausgefallen. An dieser Stelle bieten wir die Predigt von Diakon Dr. Gregor Lohrengel zur aktuellen Situation an.

Liebe Mitchristen,

am Ende des alten Jahres 2020 und zu Beginn des neuen Jahres 2021 befinden wir uns in einer Situation, die ich so zu meinen Lebzeiten bisher noch nicht erlebt habe. Die meisten von uns leiden zwar keine existentielle Not, aber so gut wie vor einem Jahr geht es heute wohl keinem. Wir fühlen uns alle irgendwie unsicher und hilflos. Viele haben zu mindestens Bauchschmerzen und manche sogar nackte Angst, wenn sie an die Zukunft denken. Dabei haben wir die grassierende Pandemie nicht einmal verschuldet. Es gibt keinen Schuldigen wie bei Kriegsereignissen, die für uns hier in Deutschland ja auch schon 75 Jahre her sind. Das Virus ist über uns gekommen wie eine der biblischen Plagen über das Volk der Ägypter. Diese sollten den Pharao dazu bewegen, die Israeliten ziehen zu lassen. Unglücke, Seuchen oder auch Krankheiten sind oft genug missbraucht worden, um die Menschen gefügig zu machen, in dem man sie als Strafe Gottes interpretierte. Das Alte Testament erzählt ja auch so einige Geschichten vom strafenden Gott - nicht nur im gerade erwähnten 2. Buch Mose.Weithin bekannt ist die Vernichtung der „Sündenpfuhle“ Sodom und Gomorrha sowie der Untergang der gottlosen Menschheit in der Sintflut, die nur Noah mit Familie und Tieren in der Arche überlebt hat.

Aber auch schon das Alte Testament zeigt im Buch Hiob auf, dass Unglück und Krankheit nicht einfach als Strafe Gottes gedeutet werden können. Mit Jesus Christus wird uns im Neuen Testament ein Gott verkündigt, der uns Menschen liebt und uns unsere Schuld vergibt. Wir können heute nicht daran glauben, dass dieser liebende Gott die ganze Menschheit mit einem Virus für irgendetwas bestraft. Solche Interpretationen verstoßen gegen das zweite der zehn Gebote: Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen. Leider haben auch kirchliche Autoritäten vor allem in früheren Zeiten gegen dieses Gebot verstoßen, um Menschen zu manipulieren. Die Frage bleibt offen, warum Gott Unglück und Krankheit nicht verhindert. Ihm aber die „Schuld“ dafür zu geben, wäre mit unserem christlichen Glauben nicht vereinbar.

Einen „Sündenbock“ für das Virus zu suchen, bringt uns auch nicht weiter. Im alten Israel wurde am Jom Kippur Versöhnungstag ein Ziegenbock in die Wüste geschickt und von einer Klippe gestürzt. Damit wollte man Gott versöhnen. Die Verhältnisse in Israel haben sich dadurch jedoch nicht verbessert. Auch wenn Präsident Trump heute vom chinesischen Virus spricht und die Schuld dahin abzuschieben versucht, hilft uns das in keiner Weise weiter.

Ich bin jedoch davon überzeugt, dass unser Glaube und vor allem unsere christliche Glaubenspraxis uns in dieser Situation weiterbringen können:

1. Christen sind immer mit einer Hoffnung unterwegs.

Sie sind zuversichtlich, auch in Not und Krankheit nie tiefer zu fallen als in Gottes geöffnete Hände. Dieses Grundvertrauen erspart uns Christen zwar letztlich nicht Leiden und Tod, gibt uns aber immer Hoffnung auf eine Zukunft.

2. Not lehrt Beten.

Jesus sagt im Kapitel 7 des Matthäus-Evangelium: „Bittet, so wird euch gegeben werden.“ Beten hat Tradition. Die Bitte - insbesondere um Gesundheit- hat eine lange Tradition. Wie ein Besuch in Kevelaer, Lourdes und an vielen anderen Orten zeigt, sind viele dieser Gebete in irgendeiner Form erhört worden. Daneben hilft Beten meistens auch dem Beter, sein Gottvertrauen zu erhalten und neuen Mut zu fassen. Auf diesem Gebiet können wir Christen im kommenden Jahr sicherlich unseren Beitrag zur Bewältigung der Pandemie noch verstärken.

3. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Dieses zentrale Gebot Jesu hat die Sozialenzyklika „rerum novarum“ von Papst Leo XIII. bereits 1891 mit dem Dreiklang „Personalität – Subsidiarität -Solidarität“ in die moderne Praxis umgesetzt.Für mich heißt das auf die gegenwärtige Situation bezogen:

Personalität: Die Würde des einzelnen steht im Vordergrund. Ich bin aber auch erst einmal vor allem anderen für mich selbst verantwortlich. Was kann ich in dieser Lage persönlich beitragen? Wo nehme ich Schuld auf mich, wenn ich das mir mögliche unterlasse? Stichworte sind: AHA – Regeln einhalten, mich an die von Wissenschaft und Politik vorgegebenen Regeln halten. Die Corona App auf mein Handy laden. Vielleicht beschaffe ich mir auch die FFP2 Maske auf eigene Kosten, wenn ich sie mir leisten kann.

Subsidiarität: Ich bin zunächst einmal besonders den Menschen in meiner Nähe, in meiner Familie, in meiner Nachbarschaft, in meiner Gemeinde verpflichtet. Ich kümmre mich, wenn sie zum Beispiel Einkaufshilfe oder etwas anderes benötigen, gefährde sie aber nicht durch unbedachte Kontakte. Das ist immer wieder gerade bei älteren Menschen eine Frage der Abwägung mit gesundem Menschenverstand.

Solidarität: Ich versuche, den Sinn der ganzen Regeln zu verstehen. Ich halte diese aber auch ein, wenn ich sie im Einzelfall nicht nachvollziehen kann. Ich stelle meine eigenen Interessen soweit möglich zurück und unterlaufe Regeln nicht deshalb, weil ich sowieso keine Angst vor dem Virus habe und die anderen für blöd halte. Ich nöle im Bekanntenkreis nicht besserwisserisch über einzelne Ungereimtheiten in den Regeln herum, bausche meine Unannehmlichkeiten zu Riesenbelastungen auf und propagiere erst einmal meine vom Grundgesetz garantierten Rechte.

Liebe Mitchristen, ich hoffe, dass sie diese Predigt mitnehmen und im Bekanntenkreis diskutieren. Wir Christen sollten gerade ich schwierigen Zeiten Antworten suchen und Wege zeigen. Ich bin davon überzeugt, dass wir bei uns in Deutschland bisher ganz gut und vor allem solidarisch mit der doch besonderen Pandemielage umgehen. Aber ich habe den Eindruck, dass diese Solidarität in den letzten Wochen bröckelt und nicht nur „Querdenker“ Stimmung machen. Wir sollten jetzt als Christen unseren Beitrag im Sinne von mehr Eigenverantwortung und Gemeinsamkeit leisten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alle ein gesegnetes und Corona-freies Neues Jahr 2021. Bitte Bleibe Sie gesund.

gez. Diakon Dr. Gregor Lohrengel

regelmäßige Sonntagsgottesdienste

Rhade

St. Urbanus: Samstags, 17:30 Uhr

St. Urbanus: Sonntags, 11:00 Uhr


Lembeck

Michaelisstift: Sonntags, 8:00 Uhr

St. Laurentius: Samstags, 19:00 Uhr

St. Laurentius: Sonntags, 9:30 Uhr

nächstgelegene Sonntag Abend Messe

St. Remigius Borken

Sonntags, 18:00 Uhr

Eucharistiefeier

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