Eher selten wird über unsere menschliche Sexualität gesprochen. Über Homosexualität schon gar nicht. Es sind Tabuthema. Und als Priester habe ich bisher kaum in einem Gottesdienst darüber gepredigt! Vor allem, weil es mir peinlich ist! Nicht mir persönlich, zu Hause wurde über offen geredet. Peinlich ist mir, was unsere kath. Kirche über Sexualität lehrt. Viele Aussagen passen nicht mehr in die Zeit und zum Leben der Menschen. Die erhellenden Erkenntnisse der Medizin, Psychologie und Pädagogik werden ignoriert oder einfach völlig anders interpretiert.

Wenn Kirche sich der Wirklichkeit verweigert, wird sie nicht verstanden. Sie erscheint ängstlich, weltfremd und veraltet. Die größte Negativleistung der Kirche besteht darin, dass sie Sexualität zu einem Problem gemacht hat – sagte Prof. Karl-Heinz Schmidt in einem Vortrag.

Der Vatikan ließ verlauten, dass Kirche keine Vollmacht hat, homosexuelle Paare zu segnen, weil Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. So entspreche Homosexualität nicht dem Schöpfungsplan Gottes. Die Kirche lehrt: Nur die Ehe ist Segen und ein Sakrament, und damit ein Zeichen der Liebe Gottes. Sexualität hat ihrer Weisung ihren Platz einzig und allein innerhalb der Ehe, von Mann und Frau!

Heute denken wir weiter: Es geht nicht um ein „Entweder Ehe zwischen Mann und Frau oder nichts“. Sondern sowohl die Ehe zwischen Mann und Frau als auch die Segnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen.

Man darf nicht sagen: Wir wenden uns dir zu, begleiten dich seelsorglich, aber deine Beziehung ist Sünde. Wir akzeptieren Dich als Person, aber nicht deine Lebensweise. So wird eine Trennung gezogen, zwischen dem, was zur Identität eines Menschen ganz wesentlich gehört. Es wirkt herablassend! Man darf die Beziehung ja nicht von der Person trennen. In diesem Punkt hängt der Segen schief in der Kirche.

Tatsächlich begleiten Seelsorgern seit Jahren homosexuelle Menschen und begegnen ihnen im Geist der Liebe und Freiheit. Seelsorge hilft zum Leben, wenn sie sich an Jesus den „Guten Hirten“ orientiert. Jesus sagt: „Ich kenne die Meinen“. Er liebt alle Schafe gleich: Stille und Laute, Kleine und Große, Schwarze und Weiße, die Muttertiere, die Böcke und die Lämmer. Er hat für alle sein LEBEN gegeben. Salopp gesagt: FÜR die große Mehrheit der Heterosexuellen, genauso wie für die kleine Schar der schwulen und lesbischen Schafe.

JESUS bejaht seine Herde in ihrer Vielfalt und Buntheit. Was unser Leben prägt und ausmacht sind tragende und liebende Beziehungen. Gott liebt Menschen ohne Bedingungen. Einfach weil alle Kinder aus seiner Liebe sind. Er nimmt uns an, auch mit unserer Lebensgeschichte. Als Kirche sollen wir alles tun, damit menschliche Beziehungen gelingen. Die Kirche muss die Weite, Güte und Liebe des Hirten Jesus leben. Wie wollen wir seine Botschaft überbringen.

Zum ersten Mal stellte sich mir die Frage in meiner Zeit, im Ahauser Krankenhaus. Ein junger Mann, 17 Jahre, lag auf der Intensivstation. Er hatte versucht sich das Leben nehmen und wurde Gott sei Dank gerettet. Ich habe ihn ermutigt, zu sich selbst zu stehen und den Weg zu gehen, den er für sich als richtig erkennt. Stehe zu Dir und bekenne Dich. Du bist von Gott geliebt! Dann habe ich ihn gesegnet.

Es war richtig! Und ich würde es wieder tun. Wenn Menschen einander lieben und sich ein Leben lang treu sein wollen, ist Gott längst mit seinem Segen am Werk. Heute reagieren Eltern viel gelassener, wenn ein Sohn oder die Tochter in einer homosexuellen Beziehung lebt. Wir helfen den Eltern, wenn wir ihnen den Rücken stärken und nicht in den Rücken fallen.  

Natürlich ist es ist nicht so, dass plötzlich alle Geistlichen ihr Herz für ein homosexuelles Miteinander entdeckt hätten. Mit der Regenbogenfahne vor der Kirche möchten wir als Gemeinden ein Zeichen setzen und Farbe bekennen.

In vielen Bereichen ist die Kluft zwischen LEHRE der Kirche und gelebten LEBEN immens. Wir brauchen neue Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Offenheit und Weite. Und darum geht es auf dem Synodalen Weg mit seinen Themen. Darüber ist zu reden. Nicht immer! Aber immer wieder einmal. Amen.

regelmäßige Sonntagsgottesdienste

Rhade

St. Urbanus: Samstags, 17:30 Uhr

St. Urbanus: Sonntags, 11:00 Uhr


Lembeck

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St. Laurentius: Samstags, 19:00 Uhr

St. Laurentius: Sonntags, 9:30 Uhr

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